10 Jahre Herpetal Produkte - Wie alles begann!

Jeder Terrarianer weiss heutzutage, wie wichtig es ist, die Nahrung seiner Pfleglinge durch gezielt verabreichte Vitamine und Mineralstoffe zu ergänzen. Freilebende Insektenfresser haben es in der Natur zwar in aller Regel deutlich schwerer als im Terrarium, ausreichende Mengen an Beute zu machen, dafür steht ihnen dort aber eine unermessliche Vielfalt verschiedenster Futtertiere zur Verfügung. Diese Beute beinhaltet ihrerseits eine Vielfalt verschiedenster Nahrungsstoffe in ihrem Verdauungssystem. Ähnlich geht es den Generalisten unter den Pflanzenfressern, die zwar zeitweise größere Mengen weniger Futterpflanzenarten fressen, doch bei Bedarf und drohenden Mangelsituationen auf eine große Pflanzenvielfalt mit einem enormen Potential an Inhaltsstoffen zurückgreifen können. Eine vergleichbare Reichhaltigkeit kann man Terrarienbewohnern in menschlicher Obhut in keinem Fall auch nur annähernd bieten und so ist es nicht verwunderlich, daß die vom Pfleger gereichte Nahrung durch zusätzliche Mineralstoffe und Vitamingaben aufgewertet werden muß. Hinzu kommt, dass in menschlicher Obhut durchaus andere Umweltparameter auf die Tiere einwirken als in Freiheit. Nicht alle natürlichen Einflüsse von Licht, Wetter und Klima können im Terrarium 1:1 nachgebildet werden.

Meist bewegen sich die Tiere zudem weniger als im Freiland und oft existieren vom Pfleger weitgehend unbemerkt permanente Stressfaktoren durch die künstliche Umgebung. All das bedingt unter anderem auch einen im Vergleich zum Freiland veränderten Vitamin- und Mineralstoffbedarf, auf den ebenfalls Rücksicht genommen werden muss. Da die Terraristik seit einigen Jahren boomt, bietet der Handel inzwischen eine Vielzahl von Futterergänzungsmitteln an, die versprechen, hier auf einfachste Weise Abhilfe zu schaffen. Jeder langjährige Terrarianer weiss jedoch aus eigener, zum Teil leidvoller Erfahrung, dass die Praxis oft anders aussieht, und dass viele Produkte sich nicht wirklich für den angegebenen Zweck eignen. Schaut man sich Geschichte und Philosophie der Vertreiberfirmen an, wundert das nicht. Ein kurzer Blick auf die Inhaltsstoffe der meisten Präparate zeigt, dass deren Zusammensetzung oft sehr ähnlich, nicht selten identisch zu der der Präparate des gleichen Herstellers ist, die für die Nahrungsergänzung bei Vögeln angeboten werden. Warum das so ist, ist offensichtlich –und verständlich: Da Reptilien stammesgeschichtlich den Vögeln recht nahe stehen und entsprechende reptilien- oder amphibienspezifische Forschungsergebnisse mangels finanzkräftiger Sponsoren fehlen, übertragen Hersteller von Ergänzungsfuttermitteln meist die bei Vögeln gewonnenen Erkenntnisse einfach 1:1 auf Produkte, die für Reptilien oder Amphibien gedacht sind. Nun gibt es aber trotz der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft große physiologische Unterschiede zwischen Vögeln und unseren Terrarienpfleglingen. Die Warmblütigkeit der Vögel begründet dabei zwar den offenkundigsten, aber nur einen von vielen dieser Unterschiede. Auch darf man nicht vergessen, dass die meisten Studien schnelle und billige Fleischproduktion zum Ziel haben und Effekte auf z.B. Langlebigkeit nicht im Fokus liegen. Gerade dieser Punkt widerum ist dem Terrarianer wichtig. In der Praxis kommt es daher auch bei einer den Herstellerempfehlungen entsprechenden Anwendung der auf dem Markt befindlichen Futterergänzungsmittel für Terrarientiere auf Dauer immer wieder zu gesundheitlichen Problemen. Die meisten langjährigen Terrarianer haben daher aufgrund eigener Erfahrungen und durch Austausch mit Hobbykollegen individuelle Vorgehensweisen entwickelt, bei denen die genannten Produkte nur einen Teil der getroffenen Massnahmen darstellen und vielfältig mit reinen Chemikalien oder anderen Präparaten gemixt oder abgewechselt werden. Im Einzelfall kann das einen beträchtlichen –aber sinnvollen- Mehraufwand an Pflege bzw Logistik bedeuten. Jeder der betroffenen Terrarianer wäre daher froh, bekäme er daher die Gelegenheit, Futterergänzungsmixturen nach eigenen Vorstellungen gebrauchsfertig zur Verfügung gestellt zubekommen.

Daher war ich durchaus spontan interessiert, als die Firma Keweloh mit der Bitte an mich herantrat, sie beim Entwurf eigener Vitamin- Mineralstoffpräparate für die Terraristik zu beraten. Umgehende Recherchen meinerseits zeigten ausserdem, dass die Firma bereits über einen respektablen Ruf im Brieftauben- und Pferdesport sowie ein beachtenswertes Qualitätsmanagementsystem verfügte. Der Firmeneigner war zudem vor kurzem wieder selber in die Terraristik eingestiegen und mit großer Begeisterung bei der Sache.

Gute Voraussetzungen also für ein echtes Commitment seitens Keweloh.

So kam es dann in beiderseitigem Einverständnis zum ersten Projekt: Der Formulierung eines Multivitamin- Mineralsstoff- Mixes, der die wichtigsten Nahrungsergänzungsstoffe für einen breiten Kreis an Reptilien und Amphibien in einfacher Form durch das Bestäuben des Futters zur Verfügung stellen sollte. Dabei wurde gewissermassen zweigleisig vorgegangen. Zum einen wurde als Ausgangsprodukt für Verbesserungsmassnahmen ein auf dem Markt befindliches Präparat identifiziert, das unter wissenschaftlicher Kontrolle entwickelt worden war und zu dem es umfangreiche positive terraristische Erfahrungen gab. Zum anderen habe ich wissenschaftliche Primärliteratur zu Physiologie und Vitamin/Mineralstoffbedarf von Reptilien und Amphibien ausfindig gemacht und diese studiert. Die Ausbeute war erstaunlich mager und ein Großteil der Studien recht alt oder kritikwürdig. Daher erwies es sich als besonders sinnvoll, zusätzlich auf die eigenen Erfahrungen aus über 30 Jahren Terraristik und auf die gewonnenen Erkenntnisse während meiner Arbeit als Pharmaforscher und als Biologe zurückzugreifen.

Im Vergleich zu allen anderen am Markt befindlichen Produkten wurde bei dem neuen Produkt, für das der Name Herpetal Complete T gefunden worden war, zunächst der Phosphatanteil reduziert, um mit dem Produkt die notwendige Aufwertung des meist ungünstigen Ca/P Verhältnisses in der Gesamternährung zu erleichtern. Zudem wurde der Kalziumanteil erhöht und ein Teil des Kalziums in Form des besonders bioverfügbaren Kalziumzitrates vorgelegt. Ferner wurde der Jodidanteil erhöht, da es im Jodmangelgebiet Deutschland nicht selten zu Jodmangelerscheinungen bei Terrarientieren kommt. Etliche weitere Modifizierungen bezüglich z.B. der Komplettierung des Angebotes von Vitaminen aus der B-Gruppe und der zur Verfügung gestellten reptilienspezifisch essentiellen Aminosäuren wurden vorgenommen. Die wichtigste Massnahme war jedoch die im vergleich zu allen Konkurrenzprodukten erheblich reduzierte Vitamin A Konzentration. Zwar gibt es nur wenige diesbezügliche Forschungsergebnisse über wechselwarme Wirbeltiere, doch belegen vielfältige Erfahrungen langjähriger Terrarianer, dass zum einen der Bedarf an zusätzlich zur ausgewogenen Ernährung gegebenem Vitamin A weniger hoch zu sein scheint, und dass zum anderen eine zu hohe Menge dieses Vitamins bei vielen Tieren zu krankhaft verkürzten Häutungsintervallen führt, die ernste Folgeschäden nach sich ziehen können.

Last not least erfolgte am Wohnzimmertisch in geselliger Runde noch ein persönliches Vorkosten, da bekanntlich einige Konkurrenzprodukte so geschmacksintensiv sind, dass viele Terrarientiere die Aufnahme verweigern. Erst nach dem Bestehen dieses Testes und erfolgreichen Versuchen zur Haftung an Futtertieren wurden die ersten Testproben an interessierte Terrarianer gratis verteilt. Da diese Tester die Haftfähigkeit noch nicht als optimal empfanden, wurde diese kurz nach der Markteinführung noch nachhaltig verbessert. Auf ähnliche Weise entstand das Mineralstoffpräparat Herpetal Mineral und die anderen Herpetal Produkte, die noch folgten und folgen werden. Ein großer Pluspunkt dabei ist, dass die Firma Keweloh jederzeit bereit ist, nachweislich verbessernde Änderungen rasch umzusetzen und in die Rezeptur aufzunehmen. Seit gut 10 Jahren versorge ich nun alle meine Reptilien und Amphibien ausschliesslich mit Nahrungsergänzungsmitteln aus dem Herpetal Sortiment. Vitalität, Farbenpracht und Vermehrungsfreude meiner Pfleglinge zeigen mir heute, dass unsere Gedanken zur optimalen Versorgung so verkehrt nicht gewesen sein können.

Ihr Ingo Kober

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